爱窝窝打金钱眼——蔫准

Àiwōwo dǎ jīnqiányǎn——niānzhǔn

Deutsch: Mit einem Klebreisklößchen nach der Glücksmünze werfen —— <geräuschlos treffen> (Dialekt) still/zurückhaltend, aber zielstrebig; ein stilles Wasser

Im 白云观 Báiyúnguàn, dem taoistischen Tempel der Weißen Wolke, im Südwesten Pekings befindet sich im Eingangsbereich eine große Kupfermünze mit einem Loch in der Mitte, in dem an einer Schnur eine kleine Glocke befestigt ist. Im alten China öffnete dieser Tempel jedes Jahr zum Frühlingsfest, also zu Beginn des neuen Jahres, der Allgemeinheit seine Pforten. Die Besucher warfen dann mit Geldstücken nach der kleinen Glocke: Ein Treffer, der durch ein helles Klingen nicht zu überhören war, wurde als Omen für ein glückliches neues Jahr gedeutet; diesen Brauch, der in den letzten Jahren wieder aufgelebt ist, nennt man 打金钱眼 dǎ jīnqiányǎn. Würde man mit einem klebrigen Reisklößchen statt mit einem Geldstück nach der Glocke werfen, bliebe ein Treffer geräuschlos.

爱窝窝 àiwōwo (auch 艾窝窝) sind Reisklößchen mit einer süßen Füllung aus Rosinen, Nüssen oder Melonenkernen. Man bereitet sie speziell zum Frühlingsfest aus Klebreis zu.

Russisch: Хлебец «ай-во-во» бросают в отверстие большого чоха –– и клеЙкuм можно попасть в цель (Krol 1998: 157)

包公审案——铁面无私

Bāogōng shěn'àn——tiěmiàn–wúsī

Deutsch: Richter Bao hält Gericht —— (chéngyǔ) er ist unparteiisch und unbestechlich
objektiv/gerecht und unbestechlich

Bāo Zhěng 包拯 (999–1062) war ein hoher Beamter der Nördlichen Sòng-Dynastie (960–1127), dessen Rechtschaffenheit und Gerechtigkeitssinn in China sprichwörtlich geworden sind. Nach seinem Vorbild wurde die Figur des gerechten Richters Bao geschaffen, die in späteren Epochen sowohl in Singspielen als auch in Kriminalgeschichten und Theaterstücken Verwendung fand.


English: Magistrate Bao trying a case –– a face as impartial as cast iron [a Northern Song dynasty official proverbially exemplifying uprightness] (Rohsenow 1991: 8)

包公斩世美——公事公办

Bāogōng zhǎn Shìměi——gōng shì gōng bàn

Deutsch: Richter Bāo lässt Shìměi hinrichten —— (chéngyǔ) wickelt dienstliche Angelegenheiten ab, ohne sich von persönlichen Gefühlen/privaten Interessen leiten zu lassen
Dienst ist Dienst, Schnaps ist Schnaps

Shìměi hieß mit vollem Namen Chén Shìměi 陈世美 und war ein armer Schüler, der sich von seinem Heimatdorf in die Hauptstadt begab, um an der kaiserlichen Beamtenprüfung teilzunehmen. Von seinen Leistungen tief beeindruckt, bot der Kaiser ihm die Hand seiner Tochter an. Chén Shìměi nahm das Angebot freudig an, obwohl er zu Hause bereits verheiratet war. Nach langer Zeit vergeblichen Wartens auf die Rückkehr ihres Mannes kam die erste Ehefrau, Qín Xiānglián 秦香莲, schließlich in die Hauptstadt. Chén bezahlte einen Mörder, der Xiānglián und die gemeinsamen beiden Kinder töten sollte. Der Mörder zeigte jedoch Mitleid mit der Frau und half ihr, den treulosen Chén bei dem für seine Unbestechlichkeit bekannten Richter Bāo (Bāo Zhěng 包拯, 999–1062) anzuzeigen. Dieser sorgte dafür, dass Chén Shìměi seine gerechte Strafe erhielt – ein für einen Richter nicht ganz ungefährliches Unternehmen, gehörte der Angeklagte doch der kaiserlichen Familie an. Diese Episode ist der Inhalt einer bekannten Oper, die den Titel „Chén Shìměis Hinrichtung“ trägt.

陈世美当驸马——喜新厌旧

Chén Shìměi dāng fùmǎ——xǐ xīn yàn jiù

Deutsch: Chén Shìměi wird Schwiegersohn des Kaisers –– <„er liebt eine Neue und hasst die Alte“> häufiger Partnerwechsel; jmd., der die Freundinnen wechselt wie andere die Hemden

Der Kaiser war von den Talenten des Chén Shìměi, einem armen Gelehrten vom Lande, so begeistert, dass er ihm die Hand seiner Tochter anbot. Dabei ahnte er nicht, dass Chén bereits verheiratet war. Der wiederum wollte von seiner schlichten Frau nichts mehr wissen, als man ihm eine Prinzessin zur neuen Frau gab.

公母俩打架 ——〈好急了〉好极了

Gōngmǔliǎ dǎjià —— <hǎo jí le> hǎojí le

Deutsch: Ein Ehepaar zofft sich  —— <da fliegen die Fetzen>
(iron.) super; prima

Bei Streitigkeiten zwischen Eheleuten wird man Rücksicht und Takt nur zu oft vermissen; dazu stehen sich die Ehepartner zu nah. Durch homophonen Wechsel ergibt sich die Bedeutung "Super!", die im Kontext des A-Teils jedoch eine ironische Note erhält.

狗咬耗子——多管闲事

Gǒu yǎo hàozi——duō guǎn xiánshì

Deutsch: Ein Hund fängt Ratten —— kümmert sich um Dinge, die ihn nichts angehen
die Nase in anderer Leute Angelegenheiten stecken

Eine chinesische Redensart sagt „Katzen fangen Mäuse, und Hunde bewachen das Haus“. Ein Hund, der Ratten jagt, kümmert sich also um Dinge, die ihn nichts angehen.


English: A dog catching rats –– too meddlesome; wasting one´s time on trivial matterns that do not concern one (Rohsenow 1991: 65)


Français: Le chien atrappe un rat –– il s´occupe de futilités
se mêler de ce qui ne nous regarde pas (Doan 2003: 77)

和尚打伞 ——〈无发无天〉无法无天

Héshang dǎsǎn ––– <wú fà wú tiān> wú fǎ wú tiān

Deutsch: Ein buddhistischer Mönch mit Schirm —— <[hat] kein Haar und [sieht] keinen Himmel>
(chéngyǔ) irdischen und himmlischen Gesetzen trotzen; gesetzlos

Das Bild im A-Teil hat hier keine metaphorische Funktion. Es dient lediglich als Aufhänger für ein witziges Wortspiel, das auf der Homiophonie (Quasi-Homophonie) von Haar (chin. fà) und Gesetz (chin. ebenfalls fǎ) beruht. Ein buddhistischer Mönche hat ein kahlgeschorenes Haupt, der Schirm nimmt ihm die Sicht auf den Himmel.

Das Tetragramm 无法无天 bedeutet, dass etw./jmd. irdischen und himmlischen Gesetzen trotzt.


English: A monk opening an umbrella –– (lit) without hair, without sky; (pun/coll) having [regard for] neither [earthly] law nor heaven[ly] principle (Rohsenow 1991: 81)


Français: La bonze tient un parapluie –– li n´a ni cheveu (loi) ni ciel
sans foi ni loi (Doan 2003: 89)

鸡毛炒韭菜——乱七八糟
Jīmáo chǎo jiǔcài——luàn qī bā zāo

Deutsch: Hühnerfedern mit Schnittlauch anbraten —— (ugs.) ein heilloses Durcheinander
1. chaotisch; 2. dubios, undurchsichtig

 

Hühnerfedern mit Schnittlauch vermischt symbolisieren das totale Chaos: Sie gehören nicht zusammen und sind – einmal vermischt – nie wieder zu trennen. 乱七八糟 luànqī-bāzāo kann einerseits eine dubiose bzw. ungesetzliche Sache bezeichnen, andererseits aber auch unhaltbare Zustände.

景德镇的尿壶 ——〈瓷好〉词好
Jǐngdézhèn de niàohú —— cí hǎo

Deutsch: Ein Nachttopf aus Jǐngdé —— <gutes Porzellan>
wohlklingende Worte

Der Ort Jǐngdé ist auch über die Grenzen Chinas hinaus für sein hervorragendes Porzellan bekannt. Das xiēhòuyǔ bezieht sich auf die sehr gute Qualität verbaler Äußerungen oder schriftlich niedergelegter Gedanken. Gern auch wird damit ironisch zum Ausdruck gebracht, dass etw. in schöne Worte gefasst, aber ohne inhaltliche Tiefe ist. Das Wortspiel basiert auf der Homophonie von „Porzellan“ (瓷 cí) und „Wort“ (词 cí).

孔夫子搬家 ——〈尽是书〉尽是输

Kǒngfūzǐ bānjiā —— jìn shì shū


Deutsch: Konfuzius zieht um —— alles nur Bücher <nichts als Verluste>

Konfuzius ist der Inbegriff des Gelehrten in China. Und der Haushalt eines Gelehrten besteht vor allem aus Büchern. Die Worte für „Bücher“ und „Verluste“ klingen im Chinesischen gleich.


English: Confucius moving his house –– (lit) it´s all books; (pun) lose all the time [at gambling] (Rohsenow 1991: 113)


Français: Confucius déménage –– il ná que des livres (défaites)
éternel perdant, toujours vaincu (Doan 2003: 119)

孔夫子的徒弟 ——〈贤人〉闲人

Kǒngfūzǐ de túdi —— xiánrén

Deutsch: Konfuzius Schüler −− <tugendhafte Menschen> Müßiggänger

Nach der Lehre des Konfuzius strebt der ideale Mensch, der Edle, danach, die vier grundlegenden Tugenden zu verwirklichen: Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit/Pflichtgefühl, kindliche Pietät und Sittlichkeit/Riten. Somit sind die Schüler des Konfuzius „tugendhafte“ Menschen. Aus dem Gleichklang der chinesischen Bezeichnung für „Tugend“ und „Müßiggang“ ergibt sich das Wortspiel.


English: Confucius' disciples –– (lit) virtuous persons; (pun) idle loafers (Rohsenow 1991: 113

猫哭老鼠——假慈悲

Māo kū lǎoshǔ——jiǎ cíbēi

Deutsch: Eine Katze trauert um eine Maus —— <vorgetäuschtes Mitleid>
Krokodilstränen vergießen

Mäuse stehen bekanntlich auf der Speisekarte von Katzen, und werden von diesen wohl kaum betrauert.

天津卫的包子 —— 狗不理

Tiānjīnwèi de bāozi —— Gǒubùlǐ

Deutsch: Bāozi [gefüllte Dampfbrötchen] aus Tiānjīn —— <von Gǒubùlǐ> (Dialekt) sehr unbeliebt; von dem nimmt kein Hund ein Stück Brot

包子 bāozi sind kleine, gefüllte Dampfbrötchen; in Peking gibt es an fast jeder Ecke einen Imbissstand, der sie feilbietet. Besonders bekannt und beliebt sind die eines 1858 in Tiānjīn gegründeten Ladens namens Gǒubùlǐ. Filialen von Gǒubùlǐ sind auch im heutigen Peking anzutreffen (s. Bild).

English: Bāozi [dumplings] from Tiānjīn —— <by Gǒubùlǐ> (pun, Dialect) extremly unpopular

包子 bāozi, steamed stuffed dumplings, are a typical Chinese snack. The most delicious bāozi are said to be produced by Gǒubùlǐ, a restaurant which was established in Tianjin in 1858. The story behind the name of the restaurant – which has branches in Beijing – may be found here. This Chinese Allegory originates from Beijing and is used ironically to describe a very unpopular person.

脱裤子放屁 —— 多此一举

Tuō kùzi fàngpì —— duō cǐ yī jǔ

Deutsch: Die Hosen ausziehen, um einen fahren zu lassen —— (chéngyǔ) eine überflüssige Aktion
das kann man sich sparen/schenken

Diesem xiēhòuyǔ hat Professor Dr. Michael Steindl (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) folgenden kurzweiligen Aufsatz gewidmet: Tuo ku-zi fang-pi und andere Redensarten


English: removing one´s pants to break wind –– engaging in a superfluous procedure (Rohsenow 1991: 235)

王麻子的剪刀 —— 冒充的多

Wáng Mázi de jiǎndāo —— màochōng de duō

Deutsch: Scheren vom "Pockennarbigen Wáng" —— <oft kopiert> es gibt viele Imitate

Der „Pockennarbige Wáng“, so lautet der Name eines Scherengeschäfts in Peking, das früher in China ebenso bekannt für seine qualitativ hochwertigen Waren war wie Solingen in Deutschland. In der Pekinger Dì'ān Mén Wài Dàjiē 地安门外大街, unweit des Glockenturms, verweist heute ein Schild auf den berühmten Sohn der Stadt. Dort hatte Wáng Mázi 1651 sein Geschäft gegründet.


English: Pockmarked Wang [trademark] knives and scissors –– most of them are fakes [The knife-and-scissor shop of Pockmarked Wang in Beijing became famous early in the Ming dynasty, later giving rise to countless counterfeits of this wellknown trademark] (Rohsenow 1991: 239